I. THE VOIDS IN THE CITY, THE KIEZ IN THE VOID
The Right to the Void: Spatial and Social Renewal in Berlin’s GroßwohnsiedlungBACHELOR THESIS |
From Modernism to Social Disconnection :
Reactivating the Voids in Berlin’s Large-Scale Housing Estate (Großwohnsiedlung) to Bridge the Community Disconnection.
Year | 2025
Location | Berlin, Germany
Typology | Urban Regeneration & Adaptive Reuse
Program | Mixed-Use Residential & Community Space
Tutors | Prof. Lukas Staudinger, Prof. Karsten Huneck, Juan Almarza Anwandter, Esther Berkhoff Thesis Advisors | Prof. Lukas Staudinger, Prof. Jeanne-Françoise Fischer
Set in an abandoned DDR dormitory on Gehrenseestraße, the project champions“no demolition, but transformation, ” an adaptive reuse strategy that saves embodied carbon and rapidly addresses urban housing crises.Extending French sociologist Henri Lefebvre’s Right to the City, the design proposes the Right to the Void, shifting focus to the ground. Guided by Chinese-American geographer Yi-Fu Tuan’s premise that “if space allows movement, place is pause,” it inserts architectural pauses into the empty landscape.
Empirical surveys across three major estates-Hohenschönhausen, Gropiusstadt, and Märkisches Viertel reveal identical crises: spatial isolation, aging populations, and cultural segregation. Residents view the vast in-between spaces as uninviting voids used only for “passing through.” To bridge this gap, the project seeks a design für uns, für alle (for us, for everyone).
Drawing on Danish urban designer Jan Gehl’s theory of “resultant” activities, the design accelerates opportunities for encounter.These architectural pauses foster “passive socializing,” vital for integrating an aging demographic and bridging cultural divides. This shared presence naturally cultivates American-Canadian urbanist Jane Jacobs’ “Eyes on the Street” for safety, echoing American sociologist Richard Sennett’s belief that urban encounters foster “an appreciation of difference.” Ultimately, the void transitions from a “Non-Place” to a vibrant Kiez,built not just by the architect, but by the democratic discourse and collective memory of its people.
<Deutsch>
DIE LEERE IN DER STADT, DER KIEZ IN DER LEERE überdenkt Berlins Großwohnsiedlungen neu. Angetrieben von der akuten Wohnungsnot nach dem Krieg übernahm die industrielle Bauweise die modernistischen Planungsideale von „Licht, Luft und Sonne“ für die Massen, indem sie die Gebäude weit voneinander entfernt anordnete. Doch diese großflächigen, top-down organisierten Funktionsräume konnten ihr utopisches Versprechen letztlich nicht einlösen. Der französische Anthropologe Marc Augé beschreibt solche isolierten Übergangsräume als „Non-Places“: Orte ohne Geschichte, ohne relationale Bedeutung und ohne kollektive Identität, die lediglich dem Durchqueren dienen.
Verortet in einem verlassenen DDR-Wohnheim in der Gehrenseestraße, setzt das Projekt auf „no demolition, but transformation“, eine Strategie der adaptiven Umnutzung, die gebundenes CO2 bewahrt und zugleich schnell auf die städtische Wohnungsnot reagiert. In Anlehnung an Henri Lefebvres Recht auf Stadt formuliert es ein Recht auf die Leere und verlagert den Fokus auf den Boden. Inspiriert von Yi-Fu Tuans Gedanke, dass „wenn Raum Bewegung ermöglicht, Ort eine Pause ist“, werden architektonische Pausen in die leere Landschaft eingefügt.
Empirische Untersuchungen in drei großen Siedlungen — Hohenschönhausen, Gropiusstadt und Märkisches Viertel, zeigen dieselben Krisen: räumliche Isolation, eine alternde Bevölkerung und kulturelle Segregation. Die Bewohnerinnen empfinden die weiten Zwischenräume als unfreundliche Leere, die nur zum „Durchgehen“ genutzt werden. Um diese Lücke zu überbrücken, verfolgt das Projekt ein design für uns, für alle* (für uns, für alle).
In Anlehnung an Jan Gehls Theorie der „resultierenden“ Aktivitäten beschleunigt das Entwerfen Gelegenheiten für Begegnung. Diese architektonischen Pausen fördern ein „passives Sozialisieren“, das für die Integration einer alternden Bevölkerung und das Überbrücken kultureller Unterschiede wesentlich ist. Diese geteilte Präsenz erzeugt ganz natürlich Jane Jacobs’ „Eyes on the Street“ als Sicherheitsprinzip und spiegelt Richard Sennetts Überzeugung wider, dass urbane Begegnungen eine „Anerkennung von Differenz“ fördern. Letztlich wandelt sich die Leere von einem „Non-Place“ zu einem lebendigen Kiez, der nicht nur vom Architekten, sondern durch demokratische Aushandlung und das kollektive Gedächtnis seiner Bewohner*innen entsteht.